Installation von Livius, USA 2010

 

24 Polaroid Bilder im Längsrahmen (Glas) 220 cm x 14 cm, Jahr 2010

Die Arbeit dokumentiert den Abschluss einer intensiven Phase der Beschäftigung mit Geometrie und Raum als Bestandteile des Designs und der Raumgestaltung. Die Platonischen Körper erlebte L.H. als Ausdruck reinster, elementarster Raumgestaltung.

In Anwendung der drei geometrischen Bedingungen:

  1. alle Flächen des Körpers sind in Form und Größe identisch
  2. alle Kanten sind gleich lang
  3. zwischen benachbarten Flächen liegt immer der selbe Winkel

entstehen präzise das Tetraeder, das Hexaeder, das Oktaeder, das Ikosaeder und das Dodekaeder. Diese regelmäßigen Körper, die Platon in „Timaios“ beschrieb,  stellen Symmetrie und organische Harmonie dar und bilden die Grundlage unserer gesamten erfahrbaren dreidimensionalen Welt; unter Anwendung der o.g. Bedingungen existieren ausschließlich diese 5 Körper.

Die Platonischen Körper symbolisieren zugleich die fünf Elemente, aus denen sich das Universum zusammensetzt.

Das Tetraeder symbolisiert das Feuer, das Hexaeder die Erde, das Oktaeder die Luft, das Ikosaeder das Wasser und das Dodekaeder den Äther, das schöpferische Prinzip, die himmlische Quintessenz.

Das Dodekaeder ist der einzige der fünf Körper, der dem Betrachter ein Erleben der zugrunde liegenden Harmonie verweigert; er lässt das Vorliegen der geometrischen Regelmäßigkeit nicht erkennen und wirkt aus unterschiedlichen Perspektiven verzogen und unharmonisch.

Wird mit zunehmender Entwicklung der feinstofflichen Körper des Menschen auch das Dodekaeder in seiner Harmonie wahrnehmbar?

Könnte die Harmonie von innerhalb des Dodekaeders bereits wahrgenommen werden (der Mensch im Ätherraum der Schöpfung) und bedarf es eines Erwachens in die geistigen Welten und damit eines Verinnerlichen des Ätherprinzips, um das Dodekaeder auch von außen in seiner vollkommenen Regelmäßigkeit wahrnehmen zu können?

In einem besonderen Verhältnis stehen die Platonischen Körper zur Kugel als der elementarsten dreidimensionalen Form. Die Kugel  umschließt jeden beliebigen der 5 Körper in einer Weise, dass sie von allen Ecken des Körpers berührt wird oder kann in jeden der Körper derart eingefügt werden, dass sie ausschließlich mit dem Mittelpunkt einer jeden Fläche in Kontakt steht. Somit kann auch ein jeder der Körper in jeden beliebigen der anderen vier eingebettet werden oder diesen umschließen.

Der Wunsch nach tieferem Erfassen führte zum handwerklich vollendeten Bau der Platonischen Körper als dreidimensionale Modelle. Eine Glasmurmel bildete den Kern, um den herum, Flächenmitte auf Kugeloberfläche, das Tetraeder entstand. Ebenso, wie die Kugel in ihm verschwunden war, wurde es selbst im Hexaeder unsichtbar, dieses im Oktaeder, das Oktaeder im Ikosaeder. Zuletzt blieb für den Betrachter nur noch das Dodekaeder sichtbar.

Später entstand die Idee, das Werk mit auf eine Reise in die USA zu nehmen und dort im Verbrennen eine symbolische Metamorphose durchlaufen zu lassen. Die Kugel wurde zur Verkörperung des universellen Reisenden, der, eingebettet in die Ätherform, von der Alten Welt (symbolisiert durch die handwerkliche Perfektion der Modelle) in die Neue Welt reist, um dort in der Vereinigung mit dem Feuer der Jugend / des Neuanfangs die umschließenden Elemente zu transzendieren und „same but different“ heimzukehren: eine symbolische Versöhnung der alten Werte mit dem dynamischen Drang nach Freiheit, Bewusstseinsentwicklung, individuellem Ausdruck, Veränderung, den Vertretern der Neuen Welt.

Livius Härer fühlt sich bereichert um das Erlebnis, durch die Vertiefung in die  elementaren Formen der Platonischen Körper fundamentale Dankbarkeit den schöpferischen Kräften gegenüber erlebt und erlebbar gemacht zu haben, die das Universum gestalten und uns die Möglichkeiten schenken, uns ihnen in der Erfahrung anzunähern.